Freitag, 9. März 2012

Haare, Essen und Security


Ja. Wir sind IMMERNOCH hier. J
Und nein, es gibt keine Neuigkeiten zu berichten. Aber doch ein paar Beobachtungen, die ich Euch vertextet vor Augen zu führen gedenke.

V/Fokuhila
Zunächst einmal ist da die Tatsache, dass Haare (angeblich ja besonders meine) unheimlich schnell wachsen. Und wenn man eine Ausgangslänge von 3 mm hat, macht sich das umso schneller bemerkbar. So habe ich mir dann vor einer Woche Haargel gekauft. Für sieben Birr (ca 35 Rappen) . Grünes Geglibber, das aussieht wie Wackelpudding und auch ansatzweise so riecht. Grossartiges Zeug. Wer mich ein bisschen kennt, kann sich in etwa vorstellen wie viel Spass ich morgens damit habe. Glibberglibberschmier. Und dann sich selbst im Spiegel angrinsen. Das schöne am eigenen Spiegelbild ist ja, dass es eigentlich immer die gleiche Laune hat wie man selbst. Und wenn dann grünes Glibberzeug die eigene Laune vergrossartigt, kann der Tag ja nur bestens starten.
Der Nachteil an der Rasur-Frisur ist aber auch, dass alle Haare gleichlang sind. Das endet dann bei einfach-wachsen-lassen in einer Fokuhila (VOrne KUrz HInten LAng). Warum man die mit F schreibt? Keine Ahnung, aber mit V siehts doof aus (ehrlich, ich habs grad versucht – Vokuhila… neeee!).
Das nächste Problem das dieses V/Fokuhila-Problem auslöst ist, dass unser bevorzugter Babier (so wie alle anderen hier) sicherlich super mit dem Rasierer umgehen können – wenn man es hinbekommt, dass sie verstehen, was man will. Mein Amharisch reicht aus, um Tomaten zu kaufen und Bier, sowie die Rechnung zu bestellen. Aber „ich hätte es gerne nur hinten etwas kürzer und vielleicht um die Ohren rum ein wenig getrimmt“ – da muss ich dann doch passen! (Bis zum „ich“ wäre ich wahrscheinlich noch gekommen ^^) Also Wachsenlassen-V/Fokuhila-Frisur oder erneutes abrasieren auf allgemeine 3mm, ohne V/F-Frisur-bäh. Meine zwei Möglichkeiten.
Und dann kommt auf einmal mein Götter-nochnicht-Gatte daher und meint er würde gerne. Würde gerne…, wie bitte? Ja na eben, so mit Schere und so an meinen Haaren und so.. ähm.. Rein pragmatisch gesehen passt das ja super zwischen meine zwei bisherigen Optionen – und das abrasieren kann man zur Not hinterher immernoch. (Im Nachhinein betrachtet hätte ich es dann schon auf 0.5mm rasieren müssen, aber egal.)
Jedenfalls sagte mir mein Pragmatismus, dass ich dem Herrn doch die Freude machen und ihm mein Vertrauen zu seinen Fähigkeiten zeigen sollte. Gedacht, gemacht. So sass ich denn oben-fast-ohne im Hinterhof und mein HandwerkerKönig bastelte mit Schere und Kamm an meinen Haaren rum. Und ich sass und sass und.. unterbrach um das Kindle zu holen. Nach einigen Zeilen Shakespeare’s Romeo und Julia wurde meine Lesefreude von einem „OH SHIT“ aus dem Bereich hinter mir unterbrochen.  Äääh.. ja! Danke, genau DAS will ich hören, wenn jemand an meinem Kopf rumschneidet. Mit meiner eh-schon-Friseur-Phobie. OLE! Die Sache wiederholte sich noch einige Male, mit Zwischen-AU-Rufen von mir, wenn die Schere  zur Abwechslung lieber zupfen, als schneiden wollte.
Als Shakespeare langsam langweilig wurde, wies ich den Herrn darauf hin, dass es auf dieser Welt wohl wahrlich wenig Frauen gäbe, die ihren Lieblingsmenschen diese Tätigkeit vollziehen lassen würden, vor allem bei derartigen Ausrufen. Und die Wahrscheinlichkeit, dass eine derartige Dame auch noch still und ruhig(!) sitzen würde, strebe jawohl gegen Null. Ausrufezeichen! Ein gegrummeltes Etwas kam von hinten in Richtung meiner Gehörgänge, dass allgemein übersetzt wohl in etwa „ja, das ist mir bewusst meine Liebe und ich weiss Dein Vertrauen durchaus zu schätzen“ heissen würde.
Nach gefühlt zwei Stunden betrachtete der Meister sein Werk als beendet. Auf dem Weg ins Badezimmer rief er mich zwecks einer kleinen Korrektur noch einmal zurück. („aaaaaaaah, warte“) Dann durfte ich vor den Spiegel. Und hei.. für’s erste Mal ist es echt erstaunlich-enorm gut! Nicht ganz was ich mir selbst ausgesucht hätte, aber.. Ich suche selten aus. Wenn ein Friseur mich fragt was ich gerne hätte, lautete meine Antwort zumeist schlicht „KURZ“. Die meisten überfordert das. Mich nicht :D und abrasieren geht ja immernoch. Diesmal muss es aber nicht. Ginge auch kaum, immerhin wurde hinten nassrasiert (ohne AUA) und am Ohr ist es auch kaum mehr ein Milimeter..
Das es gut werden würde, war mir natürlich von vornerein klar, immerhin habe ich mir einen Mann ausgesucht, der alles kann. Aber sich selbst derart bestätigt zu sehen, tut natürlich enorm gut. Und vor allem hat er es so hinbekommen, dass ich morgens immer noch mit meinem Glibberschleim und meinem Spiegelbild ein wenig frühsportlichen Spass haben kann. Braucht jemand einen Friseur? Ich könnte da einen empfehlen. ;)  



Security Check
In Äthiopien ist es üblich, Besucher bestimmter Gebäude abzutasten. Etwa so wie bei uns, wenn man ein Festivalgelände betritt. Also Hampelmannpose einnehmen und einer fährt mit den Händen von den Achseln bis zu den Knien. Allerdings bedeutet das hier nicht, dass sie dir was abnehmen, meinem Taschenmesser am Gürtel wurde beispielsweise nie Beachtung geschenkt.
Abgetastet wurde ich bisher beim Eintritt in: - das Museum einer Kirche, - die Telekommunikationsgesellschaft,  - ein paar Discos, - ein Einkaufszentrum.
Das Interessante ist, dass nur weniger dieser Einrichtungen Security Menschen weiblicher Art haben. Meistens werden daher auch nur die Männer abgetastet. Und ich. Aus der Sicht der Einheimischen sehe ich wohl enorm männlich aus. So habe ich den Händen des Mönchs am Museum der Kirche womöglich die erste Frau-Berührung seit Jahren (wenn nicht die erste überhaupt) geschenkt.  
Inzwischen gehe ich, insofern es eine weibliche Security gibt, immer direkt darauf zu. Dann kommt die erstaunte Frage, ob ich eine woman sei und das abtasten beinhaltet dann auch einen kurzen Check meiner Oberweite und allgemeines Gegrinse des Wachpersonals, wenn ich dann weiter gehe.
Besonders schön ist es, wenn man irgendwo auf die Toilette möchte. Mir wird regelmässig die Gentlemen Location gezeigt. Wenn ich dann weiter gehe zur nächsten Tür, dabei mein Shirt unterhalb der Brust mit den Händen enger mache, bekomme ich gegrinste Entschuldigungen zu hören. Den Putzfrauen, die meist vor oder im Toilettenraum stehen, gebe ich wahrscheinlich das Event des Monats ab. Und wenn dann beim Händewaschen noch eine Einheimische steht, bekommt diese meist riesige Augen („was macht denn der TYP HIER DRIN“). In dem Moment bin ich dann froh, dass Putzfrauen dabei sind, die können das dann nämlich erklären – denen habe ich die engere Version meines Shirts dann nämlich meist schon gezeigt.

Kürzlich haben wir uns dann noch auf ein Bier ins Rotlichmilieu verirrt. So kam ich dann auch einmal in den Genuss des „Hey Mister, you enjoy? WE enjoy???“ Und hinterher verwirrte Blicke. Dani und mir wurde zudem ein Threesome angeboten. Die Vorstellung der verwirrten Blicke, die das ausgelöst hätte, wenn wir das Angebot angenommen hätten, hat uns dann doch amüsiert.  


Food
Unerklärlich aber wahr: Ich lerne kochen. Und so ganz unspassig ist es nichtmal. Da wir hier momentan zu fünft wohnen, zwischendurch auch mal bis zu zehn Leute waren, ist das abendliche Kochen ein rechtes Thema. Somit ist auch jeder Mal dran. Anfangs habe ich mich rein als SchnippelKönigin eingebracht und meine üblichen Aufgaben als Küchenhilfe vollzogen. Das kann ich schliesslich. Durch regelmässiges Abendessen hat sich aber nun mein Essverhalten verändert und ich bekomme spätestens gegen zwei Uhr Nachmittags tierisch Lust etwas zu essen. Die Stillung dieser Gelüste versuche ich meist heraus zu zögern – sonst müsste ich ja kochen. Das führt allerdings dazu, dass ich mir ausmale, worauf ich Lust habe. Und was davon realistisch und umsetzbar ist. Das führt dann wiederum dazu, dass ich mir das umsetzbare ausmale. Inklusive dem dazu notwendigen Kochvorgang. Das wiederum hat kürzlich dazu geführt, dass ich eben mal Kartoffelsuppe gekocht habe. Als Köchin, nicht als Küchenhilfe.. Das Ergebnis war sogar lecker!!! Siebenundzwanzig Jahre alt und nun lernt sie es doch noch! Die Welt hält immer wieder Überraschungen bereit. Aber dass ich mir auf der Weltreise nun gerade eine solche Fähigkeit zulegen würde, hätte ich nun doch nicht gedacht.
Eine weitere Nebenwirkung des allabendlichen Abendessens: Ich nehme zu! Auch etwas ganz neues für mich. Diese Entwicklung hat auf Reisen allerdings einen gewaltigen Nachteil, denn ich habe nur vier lange Hosen. Von denen mir zwei nun nicht mehr passen.
Da wir aber am Montag oder Dienstag unsere Zelte hier abbrechen werden, um uns auf dem Landweg nach Kenya zu begeben, hege ich die Hoffnung, dass das allabendliche Abendessen nicht mehr ganz so häufig stattfindet, ich wieder etwas Gewicht verliere und mir meine Hosen alle wieder passen.

Planung
Der Weg nach Kenya wird wahrscheinlich mit Zwischenstopps in Awassa und Arba Minch versehen. Mit ein bisschen Glück bedeutet das, dass Ihr in den Genuss von Bilder einiger Krokodile kommt und Dani und ich hoffentlich trotzdem alle vier Arme und Beine bei uns behalten.
In Kenya selbst wollen wir uns am ersten April einer Reisegruppe anschliessen und zwei Wochen mit denen in einem Bus den Norden des Landes erkunden. Wie es danach weiter geht, ist noch unklar. Mit Absicht und weil wir einfach noch immer nicht so genau wissen wohin mit uns. Die Chancen, dass wir unterwegs von den Mitreisenden Informationen und Zielideen abgreifen können, stehen aber recht gut und so gehen wir davon aus, dass wir nach den zwei Wochen etwas mehr Plan in unserer Planung haben.

So weit so gut. Mal wieder knapp vier Seiten, damit Euch nicht langweilig wird, Ihr mich nicht vergesst und ich ein paar Gedanken aus meinem Kopf im Blog ablegen kann und somit wieder mehr Raum für neues in meinem Hirn frei ist.
Die besten Grüsse aus noch-immer-Addis! 

Kommentare:

  1. Hey Anna!
    Ich bin gespannt, wie es weiter geht.
    Kartoffelsuppe... könnte ich auch mal wieder essen, allerdings werde ich Grit fragen... ;-)
    Ich würde gern ein Bild von dem "Frisurergebnis" sehen. Leider kann ich von hier nicht auf eure Bilder zugreifen (Securitybestimmungen)... Roche halt!?
    Ich wünsche euch viel Spass in Kenia und bald ein Plan für eure weitere Planung!
    Ganz liebe Grüsse und 'ne Umarmung, Ines

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  2. Hab bis jetzt nur das Haarding gelesen.....Danke für Lacher am Morgen bei Sonnenschein!

    Kuss Kuss Annett

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  3. Immer wieder schön von dir zu lesen. Ich könnte ein ganzes Buch von dir lesen! Lasst es euch gut gehen! ich drücke dich! Grüsse und Küsse Alona

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  4. Habe grad Tränen gelacht, Kindchen Du bist einfach suuuuper! Ich bin seit Kurzem Besitzerin eineres Epilierers, soll ich Dir den mal ausleihen??
    Schön, dass es Euch so gut geht. Übrigens ist JKl bald in Kenia, wenn ichs richtig im Kopf habe.
    Bussi mein Schnuckelchen und noch nachträglich alles Gute zum Internationalen Frauentag, mit jetzt Kochenkönnen fehlt ja nur noch ein K und Grüssle an den nnGG

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  5. annnnnaaaa, liebstes !
    da ich ja nun wieder in bern gestrandet bin und gut funktionierendes internet habe, habe ich gerade dein blog "nachgelesen".
    also leute, das kartoffelsüppli war echt ein leckerer schmaus, das kann ich so bezeugen. und überhaupt habe ich die zeit mit euch beiden sehr genossen...
    und ich finde es eine tolle nachricht, dass ihr euch nun auf die socken macht, eure sieben sachen einpackt und weiterzieht. freue mich auf die folgenden berichte. saludos und müntschis. fabi

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